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Die „Bábuschka“ (von nun an бабушка), wörtlich und dementsprechend unzureichend übersetzt „Oma“ oder „Großmutter“, ist ein zentrales Element in der hiesigen Gesellschaft, kommt in Varianten aber in allen von der russischen Kultur beeinflussten Gebieten vor. Ihr Erscheinungsbild auf der Straße, wo man sie aufgrund der unerwartet hohen, leider aber von Sekunde zu Sekunde stark fluktuierenden Mobilität allzu häufig antreffen kann, ist sehr wandlungsfähig. Allerdings gibt es die stereotypisierte бабушка, die sich der Beschreibung praktischerweise nicht so widerspenstig entgegensetzt. Sie ist sehr klein, wie ein zwölfjähriges Kind höchstens, was auch an ihrer Haltung liegen kann: In der Hüfte abgeknickt, mit einem leichten Buckel, sodass die sehnigen Schulterblätter fast schon gen Himmel ragen. Diese Haltung hat einen alleinigen Grund- nämlich die Lieblingsbeschäftigung und der eigentliche Daseinszweck der бабушка: Das Fegen. Dazu benutzt die бабушка selbstverständlich den traditionellen Reisigbesen, der eine gebückte Haltung erzwingt. Aber warum fegt die бабушка eigentlich? Und was? Hierzu muss man differenzieren:
- Winters…
…befindet sich die бабушка eher in häuslichen Gefilden, sitzt dort in einer Ecke und beherrscht mit ihrem verkniffenen Blick den Raum. Nachdem ihre brave Tochter oder Enkelin gekocht hat, wuselt sie mit steifen Beinen durch das ganze Hause und spielt verschmitzt und seelenruhig oben erwähnte Krümelinquisition. Danach legt sie ihre Kleidung an: Über den Strickpulli eine graue, sehr langhaarige Wolldecke, wie ein Umhang geschlungen, darüber dann ein abgesteppter hellbrauner Mantel, die Füße werden in möglichst viele Wärmehüllen gestopft und das gutmütige, herbe Gesicht rahmt ein Fransenkopftuch mit Blumenstickerei. So eingekleidet watschelt sie zur Bushaltestelle und kommt genau so viel zu spät, dass der Fahrer des ebenso wie sie altersschwachen, aber ewigen Sovjet- Trolleybusses aus Höflichkeit noch anhalten muss. Sie steigt ein und sofort springen drei junge Kirgisen in schwarzen Jeans auf- um ihr zu Helfen und um ihr galant den eigenen Sitzplatz anzubieten. Schon eine Haltestelle vor dem Bazaar, wo sie hin will, steht sie, in der weichen Hand den stark verknitterten Seniorenausweis, mit dem sie kostenlos fährt, neben dem Fahrer. Nachdem sie ihre Einkäufe getätigt hat (ausschließlich Trockenfrüchte und Nähwaren, bei Bedarf der persönliche Reisigbesen) fährt sie den Weg zurück. Mit ihrer Beute setzt sie sich gemütlich vor den Laden des eigenen Kindes, denn es ist …
- …endlich nicht mehr Winter!
Dann hilft sie dort entweder beim Verkauf der Waren, oder aber sie stört dort. Falls sie beides nicht tut, spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie unermüdlich den Platz vor dem Geschäft fegt, um den Unrat der heutzutage so verkommen Gesellschaft zu beseitigen. Eine Zeitgrenze, um ihren frommen ökö- politischen Aktivismus auszuleben setzt nur die Natur (Nacht, nicht Rheumaanfall).
Man kann allgemein zu der Rolle der бабушка sagen, dass sie im städtischen, als auch im ländlichen Sozialgefüge ein aktiver, geachteter und unerlässlicher Teil ist. Sie übergibt Traditionen und ist Hüter des häuslichen Glückes- eine interessante Mischung aus putzig und gruselig- eine бабушка eben.



