Endlich in Delhi angekommen: Die fast komplette Saket-WG wartete schon, allesamt fabelhafte Leute mit einem großen Herzen. So.
Aus der ereignisreichen Zeit dort nur zwei Erlebnisse:
Weihnachten
Es war eine wunderbare exemplarische Tragikomödie. Für die meisten der ca. 20 Teilnehmer unseres Weihnachtsfestes das erste Mal Weihnachten ohne Familie und sonstige andauernde Verwurzel- und leider auch Verknorpelungen. Die Reaktionen darauf waren unterschiedlich:
1. Der Traditionalist (Ist hier derjenige, der versucht, in Indien deutsche Weihachten zu feiern)
2. Der Alternative (Will feiern, aber mit einem typisch indischen Baum und indischen Trachten)
3. Der Indifferente (Interessiert sich nicht für die ganze Sache oder verhält sich zumindest so). Und schließlich ich, der bei alldem den Diplomaten spielen durfte (und wollte). Au fein. Letzten Endes war man zufrieden, es gab schöne Geschenke, vergessene Geschenke, leckeres Essen, viel Essen, Tränen aus Heimweh und Tränen wegen der öfters wasserlosen Toilette, und es gab am Tag danach eine angenehm gespannte Stille nach der niederdrückenden Weihnachtsgeschichte.
Agra
Die Stadt, die das Taj Mahal beherbergt, sechs Stunden von Delhi. Mit Lukas und Angi mit dem zerlöcherten, eiskalten, wie ein ekstatisch fiepender Wal hupenden Local Bus dorthin, im Gepäck das Nötigste und ein Zelt, welches am Abend noch mitten im nicht allzu großen, zentralen Stadtpark aufgeschlagen wurde. Gegen acht Uhr saßen wir dort gemütlich zusammen. Leicht störend waren die Taschenlampen und die „He, come out, who’s there?“ Rufe. Durch die Reaktion, die ein Hase im Angesicht einer Schlange zeigt, verschoben wir unser Schicksal um eine halbe Stunde, als dann acht Inder, Parkwächter und Polizisten, uns aus dem Zelt geholt haben. Schön, direkt auf einen Schlagstock und dahinter eine MG zu blicken, wenn man herauskommt. Wir mussten unsere Behausung abbauen- nur, kann man sagen, wir hatten den in Indien so pervers großen Ausländerbonus- weil wir im Umkreis von 500 Metern ums Taj unser Zelt in einem Nationalreservat aufgeschlagen hatten. Ups. Freundlich wie die Inder so sind, wurden wir in einen Streifenwagen verfrachtet und eine halbe Stunde mit Blaulicht durch Agra kutschiert. Schlussendlich, nachdem doch entschieden wurde, dass es für uns sicherer (???) sei, nicht im Polizeirevier zu übernachten, wurden wir in ein Hotel verfrachtet. Konsequente Aktion.
Weiteres ist hier eher nicht relevant, letzten Endes waren es für mich Ferien bei und mit guten Freunden und insofern auch Ferien ohne veröffentlichte (Selbst)reflektion, außerdem gibt es Dinge, bei denen es sich nicht lohnen würde (es zu versuchen) sie mitzuteilen.
Darüber hinaus fällt es mir extrem schwer, Delhi zu beschreiben, da die Masse an Eindrücken, die einen zu ersticken versuchen, zu groß ist, als dass man es wagen könnte, den Geruchssinn nicht zu ignorieren und die Ohren nicht zu vermummen und die Augen nicht fast ganz zu schließen.
Zurück in Bischkek: Ruhe. Luxus. Sicherheit. In Kirgistan? Ich danke dir, Indien. Dafür, dass es mir unmöglich erscheint, sich an deine Kultur anzupassen. Dafür, dass du so kaputt bist. Danke.
| Tashkent, ein Wohnzimmer/Flughafen/Teehaus |
| lohnender Kitsch und größenwahnsinnige Perle |
| Triumvirat (die Geschichtenerzähler, die Skillmaster) |
| Smog und Verkehr. Man stumpft ab, wird egoistisch, rassistisch und indifferent. Die Stadt zwingt dazu. Sie ist verwirrend giftig. |
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